
In meinem Kopf hat es ununterbrochen gerattert. Ich hatte eine Idee, die mich tagelang nicht losgelassen hat, eine Idee, von der ich dachte, sie wäre der ultimative Mehrwert für euch: Was, wenn man bei jedem Rezept einfach per Klick zwischen Weizen und Dinkel wählen könnte?
Die Rezeptur würde sich automatisch anpassen – etwas weniger Wasser für den Dinkel, der nicht so durstig ist, und vielleicht ein paar andere kleine Kniffe. Es klang genial. Bis zu dem Moment, als ich meiner Frau voller Begeisterung davon erzählte.
Sie musste gar nichts sagen. Allein beim Aussprechen der Idee verstand ich selbst, dass ich dabei war, einen meiner wichtigsten Grundsätze zu verraten: **Jedes Rezept auf dieser Seite ist für sich alleinstehend perfekt.**
Ein Mehl zu tauschen ist nicht wie das Auswechseln einer Zutat. Es verändert den gesamten Charakter eines Teiges. Ein Dinkelzopf verhält sich beim Kneten komplett anders als einer aus Weizen. Er braucht eine andere Teigführung, vielleicht eine andere Aufarbeitung. Wenn ich also einfach nur die Wassermenge anpasse, erschaffe ich keine perfekte Dinkel-Variante, sondern nur einen Kompromiss.
Meine Rezepte sind so konzipiert, dass sie für ihren vorgesehenen Zweck ideal sind. Der Butterzopf, der über Nacht im Kühlschrank reift, um dir einen entspannten Sonntagmorgen zu schenken, ist exakt auf die Eigenschaften von Weizenmehl abgestimmt. Um daraus ein perfektes Dinkel-Pendant zu erschaffen, müsste ich das Rezept von Grund auf neu entwickeln – und genau das werde ich tun, wenn die Zeit reif ist. Aber niemals als simple Austausch-Option.
Wie wichtig diese Details sind, habe ich gerade erst wieder bei meiner jährlichen Weihnachtsbäckerei gemerkt. Wie jedes Jahr habe ich unzählige Plätzchen gebacken, um sie zu verschenken. Der Star sind dabei immer meine Elisenlebkuchen.
Über die Jahre habe ich an dieser einen Rezeptur gefeilt. Die exakte Menge an Orangeat, die perfekte Nussmischung, die richtige Prise Kardamom – jedes Detail ist über Jahre hinweg perfektioniert worden. Das Ergebnis ist eine so hohe Beliebtheit bei meinen Freunden und Verwandten, dass ich am Ende fast alle Lebkuchen verschenkt hatte und für mich selbst kaum welche übrig blieben.
Genau diese Erfahrung hat mir wieder gezeigt, worum es wirklich geht: Es geht nicht darum, unendlich viele Optionen anzubieten. Es geht darum, ein Rezept in all seinen Details zu meistern, bis es eine Geschichte erzählt und bei anderen eine solche Freude auslöst. Das ist die Perfektion, die ich anstrebe, und die ich mit euch teilen möchte – in jedem einzelnen, sorgfältig entwickelten Rezept.
Ich hoffe, dieser kleine Einblick in meine Gedanken hat euch gefallen. Manchmal sind die Ideen, die man verwirft, genauso wichtig wie die, die man umsetzt. Jetzt freue ich mich aber darauf, bald wieder neue, Rezepte mit euch zu teilen!


Mein neuer Assistent in der Backstube: Ein Bäcker, 10 Rezepte und eine KI In den
2 Antworten
Hallo Nicolas,
du bist ja ein richtiger Philosoph der Backstube geworden.
Viele Grüße
Danke dir 😉
Ich merke einfach, wie viel Zeit und Aufmerksamkeit im Kleinen steckt – und dass genau das den Unterschied macht.